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| Die Morgenlandfahrt |
"Morgenlandfahrt" ist nicht wirklich die Geschichte dieser bedeutsamen Reise; es ist vielmehr ein Bericht ueber die Niederschrift der solchen, ueber Gewissenskonflikte, die Schwierigkeit darin, die Erfahrung auf Papier zu bringen, gerade wenn man sich anmasst, dies zu koennen, aber sich nicht einmal genau zu erinnern vermag. Und dann ist da noch der Diener Leo, der damals auf dem Bundeszug so ploetzlich verschwand, somit alles durcheinanderwarf und Zweifel unter den Teilnehmern saehte. Der Erzaehler kann sich immer noch nicht von der Erinnerung an ihn losreissen... Was an dieser kleinen Erzaehlung Hesses so sehr anruehrt, ist zum einen die voellige Verschmelzung der inneren und aeusseren Welt, die seit dem spirituellen Aufbruch der westlichen Welt, ihrer Orientierung hin zu oestlichen Philosophien, zum 'Morgenland' eben, fuer viele schon Teil der Erfahrung geworden ist, zum anderen und vor allem aber die wunderbare Erloesung des Erzaehlers aus seinem bemitleidenswerten Befangensein in Irrtum und Verzagtheit und trotzigem Leugnen erlebter geistiger Einheit hin zu erneuter vertrauensvoller Hingabe. Am Ende steht seine Bereitschaft zur Selbstaufloesung nicht in ein nihilistisches Vakuum, sondern in eine hoehere Einheit. Da aber jedes Individuum vor dieser Wahl steht, naemlich entweder waehrend seines Lebens irgend etwas zu tun und dann sang- und klanglos zu vergehen oder sich selbst zur hoechstmoeglichen Bluete zu entfalten und so viel wie moeglich von dem, was es auf diesem Weg erworben hat, wieder auf eine Weise abzugeben, dass viele etwas davon haben, darum geht diese Erzaehlung jeden etwas an.