Die Schattenhand

Die Geschwister Jerry und Joanna Burton mieten in Lymstock ein kleines Haus. Inmitten der doerflichen Idylle will sich Jerry von einem Flugzeugabsturz erholen. Doch vorbei ist es mit dem geruhsamen Landleben, als sich anonyme Briefe mit schmutzigen Verleumdungen im Briefkasten finden. Die '84Schattenhand", die schon seit einer geraumen Weile im Dorf ihr Unwesen treibt, hat wieder zugeschlagen. Es ist eine Frage der Zeit, wann eine der in den Briefen vorgebrachten Verleumdungen ins Schwarze trifft. Denn schliesslich, so sind sich fast alle Bewohner Lymstocks einig: "Wo Rauch ist, da muss auch Feuer sein." Und tatsaechlich wird bald aus den ueblen Scherzen blutiger Ernst: Die schamlosen Schriftstuecke treiben Mrs. Symmington, die Frau des Anwalts, in den Selbstmord. Jerry beginnt sich der Sache anzunehmen, und das nicht nur wegen Megan, der vernachlaessigten Tochter der Symmingtons. Als bald darauf noch Agnes, das Dienstmaedchen der Familie, erstochen aufgefunden wird, herrscht bei der Polizei hektische Betriebsamkeit. Hatte Agnes vielleicht die mysterioese "Schattenhand" beobachtet als sie den Brief an Mrs. Symmington eingeworfen hat, der so schlimm gewesen sein muss, das Mrs. Symmington sich daraufhin das Leben nahm? Die Ermittlungen fuehren zu keinem Ergebnis, als ploetzlich Miss Marple, ein stiller Gast im Hause des Pfarrers von Lymstock, einschreitet. Die Schattenhand ist ein klassischer Agatha-Christie-Krimi - genial, bis hin zur Aufloesung, der durch ihre Einfachheit und Logik besticht. Agatha Christie erspart dem Leser sowohl Hinweise, die in Krimis anderer Autoren oft leider erst zum Schluss eingestreut werden und ein Mitraten somit unmoeglich machen, als auch unnoetige Effekte um Spannung erzeugen. Denn all das hat die "Queen of Crime" - den Namen traegt sie in meinen Augen zu Recht - nicht noetig. Der Krimi lebt von einer logischen, bis ins kleinste Detail durchdachten Handlung, die dem Leser direkt von Beginn an zugaenglich ist. Aber wie alle Beteiligten Charaktere auch, tappt der Leser im Dunkeln. Denn im falschen Licht betrachtet, ergeben die Hinweise, die Agatha Christie gut portioniert einstreut, ein ganz anderes Bild. Erst wenn jedes Teilchen an seinen rechten Platz gerueckt wird, ergibt sich die Loesung, die gerade in "Die Schattenhand" genial einfach und voellig logisch ist. Der Kreis der Verdaechtigen bleibt, wie fuer Agatha Christie typisch, ueberschaubar. Eine kleine Anzahl Personen wird dem Leser vorgestellt und einer davon muss der Taeter sein, darauf kann man sich bei ihren Krimis stets verlassen. Miss Marple spielt, anders wie in den Filmen, die wohl fast jeder kennt, eine recht untergeordnete Rolle, was aber ueberhaupt nicht stoert. Denn die Charaktere sind alle so liebevoll gezeichnet und die kleinen Geschichten in der Geschichte einfach reizend und zudem "very british"! Ein Krimi, der keine Wuensche offen laesst.