Zwei Fremde Im Zug

Der junge Architekt Guy Haines wird von einem aufdringlichen Mitreisenden im Zug angesprochen und laesst sich zu einem Abendessen in dessen Erste-Klasse-Abteil ueberreden. Alkohol macht ihn redselig und er erzaehlt, dass seine Frau sich gegen die Scheidung wehrt, die er sich so sehnlich wuenscht. Im Gegenzug muss er sich endlose Geschichten ueber das so schreckliche Leben des reichen Bruno Charles anhoeren, der seiner Mutter verfallen ist und seinen Vater hasst. Immer wieder versucht Haines, sich zu verabschieden, andererseits kann er sich Charles' vulgaerem Charme auch nicht entziehen. Dieser kommt schliesslich auf die Idee, ihre beiden Probleme liessen sich doch wechselseitig loesen: Sie muessten nur den Stoerenfried im Leben des Anderen aus dem Weg raeumen - ein perfekter Mord ohne nachweisbares Motiv und mit wasserdichtem Alibi. Haines winkt angewidert ab und laeuft davon. Noch ahnt er nicht, dass er diesen Mann nicht zum letzten Mal gesehen hat. Allein mit diesem Einfall hat sich Patricia Highsmith einen Ehrenplatz unter den Thriller-Autoren gesichert. Alfred Hitchcock bekam das Buch 1950 kurz nach Erscheinen in die Haende und kaufte sofort die Rechte. In seiner Verfilmung fehlt allerdings der gesamte ethische und aesthetische Diskurs, der den Roman nicht nur zu einem spannenden, sondern auch zu einem tiefschuerfenden Leseerlebnis macht. Guy Haines ist eine vielschichtige Figur, die an ihrer eigenen sexuellen und moralischen Orientierungslosigkeit verzweifelt - einer Orientierungslosigkeit, die von der gesamtgesellschaftlichen Scheinheiligkeit fast zwangsweise verursacht wird.