Die Simple Kunst Des Mordes

Bei "Die simple Kunst des Mordes" (von 1944) handelt es sich nicht um einen Kriminalgeschichte, sondern um Raymond Chandlers theoretische Abrechnung mit dem klassisch-britischen Detektivroman (etwa 1920 - 1950). Dieser zeichnete sich, wie der Kenner weiss, vor allem durch seine mysterioesen, oft unwahrscheinlichen Verbrechen aus, die nur ein hochintelligenter, meist exzentrischer Detektiv allein mithlife seiner "kleinen grauen Zellen" klaeren kann. Chandler kritisierte nicht nur die Tatsache, dass all diese Romane auf einem vorgegebenen Schema basierten und daher keinerlei Kunstfertigkeit von den Autoren erforderten (daher auch die simple Kunst des Mordens); vor allem beklagte er sich darueber, dass die meisten zeitgenoessischen Krimiautoren die Charaktere ihrer Figuren in den Hintergrund rueckten und damit eine realistische Gesellschaftsdarstellung unterbanden. Die besten Detektivgeschichten habe seiner Meinung nach Dashiell Hammett geschrieben. Dieser naemlich gab "den Mord den Leuten zurueck, die Grund haben, zu morden" und "brachte diese Leute so zu Papier, wie sie waren". Mit seiner Forderung an alle Kriminalromanautoren, dem Beispiel Hammets zu folgen - eine Forderung, die er in seinen eigenen Romanen natuerlich stets beherzigte - begruendete Chandler den sogenannten "realistischen Kriminalroman" auch hard-boiled-school genannt. Ob einem diese Krimirichtung gefaellt, oder ob man eine Welt voller brutaler Gangster, kuehler Platinblondinen und desillusionierter Privatdetektive wirklich als realistische Gesellschaftsdarstellung akzeptieren kann (was bei mir leider nicht der Fall ist), sei dahingestellt. Fakt ist, dass Chandlers Essay einen guten Ueberblick ueber die Inhalte und Hauptvertreter des klassischen Detektivromans sowie eine detaillierte Beschreibung der hard-boiled-school praesentiert. Ein Kompendium, dass jeder wirkliche Krimifan, oder der, der es gerne werden moechte, einmal in seinem Leben gelesen haben sollte.