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| Die Taube |
Der Wachmann Jonathan Noel ist ein Wachmann bei einer Pariser Bank, lebt in einer winzigen Wohnung (ein Zimmer mit nicht einmal 10 Quadratmetern) und laesst sein Leben einfach verfliessen. Er hat keine besonderen Interessen, bloss noch ein Ziel hat er vor Augen. Ende des Jahres wird er die letzte Rate fuer seine Kleinstwohnung bezahlt haben und damit wird diese endlich ihm gehoeren. Sehr schnell bemerkt man als Leser, dass man es mit einem extrem neurotischen Menschen zu tun hat, denn wenn Jonathan die Toilette am Gang aufsuchen will, so vergewissert er sich ob auch niemand anderer auf dem Gang ist, denn es waere ihm hoechst peinlich jemanden auf dem Weg zur Toilette zu treffen. Ja, er steht sogar frueher auf um garantiert auch niemanden anzutreffen. Und da geschieht es auch schon. Jonathan tritt auf den Gang und da sitzt eine Taube am Boden. Sofort erleidet er eine Panikattacke, er kann seinen Weg nicht mehr fortsetzen. Sueskind erzaehlt die Geschichte dieses Tages im Leben des Neurotikers. Mit perfekter Erzaehltechnik gelingt es ihm, den Leser in die Vorgaenge im Innersten des Protagonisten einzuweihen. Die Geschichte mutet manchmal kafkaesk an, dies ist aber eher auf die seltsame Innenwelt der Hauptfigur zurueckzufuehren. Anders als bei Kafka findet die Irrealitaet bloss im Kopf des Jonathan Noel statt.