Man Spricht Deutsh

"Man spricht Deutsh" ist Gerhard Polts gnadenlose Momentaufnahme vom Teutonengrill im italienischen Terracina. Auch wenn der Film manche Laengen hat, ueberzeugt Polt durch seine aussergewoehnliche Beobachtungsgabe. Familie Loeffler vollstreckt den letzten Urlaubstag ihres alljaehrlichen Sommerurlaubs. Waehrend der dicke Heinz-Ruediger lustlos im aufgeweichten Sand herummantscht, geben sich seine Eltern ihren haarstraeubenden Spiessbuergertraeumen hin. Erwins (Gerhard Polt) Fantasien, in dessen Mittelpunkt eine rassige Italienerin steht, werden regelmaessig von der Angst um seine deutsche Karosse zerstoert. Seine Frau Irmgard (Gisela Schneeberger) bleibt da in ihren Wuenschen konsequenter. Zunaechst hat es ihr ein windiger Moechtegern-Casanova angetan (Dieter Hildebrandt), dann befluegelt ein deutscher Geschaeftsmann (Werner Schneyder) mit dicker Geldboerse ihre Fantasie. Am Ende bleibt das Abschiedsessen im Stammrestaurant, die Kapitulation vor den unbekannten Schalentieren der Poseidonplatte, zugedroehnt von Bild-Zeitung, Bayern-3-Verkehrsfunk und Gespraechen ueber Lichtschutzfaktoren. Man spricht eben Deutsch in Terracina, wenn auch hin und wieder die Italiener die Idylle zerstoeren. Die Angst vor dem Fremden bleibt. Das voll gepackte Auto zumindest hat der umsichtige Erwin immer in Sichtweite geparkt. Auch wenn Gerhard Polt und sein Koautor Hans-Christian Mueller in diesem Film nicht ganz so elegant und geistreich die Befindlichkeiten einfacher Leute sezieren, wie dies in ihrem grandiosen Erstling Kehraus der Fall ist, gibt es auch hier wieder etliche wunderbar gelungene Momente, in denen Polt den Nagel auf den Kopf trifft. Vieles kennt man aus eigener Anschauung, und gerade das Aufheben von Distanz schafft bei aller Entlarvung immer wieder auch Waerme und Anteilnahme fuer die Protagonisten. Tief im Inneren weiss man schliesslich: In jedem steckt ein kleiner Spiesser.