Die Dolmetscherin

In "Die Dolmetscherin", seinem ersten Thriller seit "Die Firma" liefert Regisseur Sydney Pollack ein Riesenaufgebot an Stars, Hochglanzbilder und politische Leidenschaft. Mit Nicole Kidman und Sean Penn, die dezent und geschmackvoll ihre Rollen spielen, erinnert der Film stark an Pollacks Robert Redford/Faye Dunaway Paranoia-Thriller "Die drei Tage des Condor" aus dem Jahre 1975, wobei hier anstelle politischer Verschwoerungen ein moeglicher Mordanschlag auf jemanden innerhalb der Generalversammlung der Vereinten Nationen thematisiert wird (diesem Film wurde uebrigens als erstem genehmigt, an Originalschauplaetzen der U.N. zu drehen). Kidman spielt eine U.N.-Dolmetscherin, die zufaellig mithoert, wie jemand einen Anschlag auf den viel geschmaehten tyrannischen Fuehrer ihres (fiktionalen) afrikanischen Heimatlandes plant. Penn ist der Geheimagent, der abgestellt wird, sie zu beschuetzen, oder die Rolle, die sie vielleicht innerhalb des Mordkomplotts spielt, zu enthuellen. Indem sich "Die Dolmetscherin" von realen politischen Vorgaengen distanziert, verspielt der Film sein Potenzial, als Thriller ueber die gegenwaertige Globalisierung und Bedrohung des internationalen Friedens zu funktionieren, aber das persoenliche Drama zwischen Penn und Kidman (zwei Menschen, die sich ueber gemeinsame Aengste naeher kommen, ohne kuenstlich in eine Romanze gezwungen zu werden) erweitert Pollacks gekonnte Meisterschaft der Thriller-Elemente einer komplexen, aber leicht zu folgenden Handlung um eine zutiefst menschliche Perspektive. Die aus Independent-Produktionen bekannte Catherine Keener glaenzt in ihrer Nebenrolle als Penns sarkastische, aber sympathische Geheimdienst-Kollegin.