Der Kaufmann Von Venedig

Nur selten hat man den Kaufmann von Venedig, eines von Shakespeares komplexesten Werken, derart ueppig ausgestattet gesehen wie in dieser Adaption unter der Regie von Michael Radford. Ein junger Adliger namens Bassanio (Joseph Fiennes) moechte in einer dekadenten Version von Venedig zur Zeit der Renaissance der lieblichen Portia (Lynn Collins) den Hof machen, aber ihm fehlt das Geld, um zu ihrem Landsitz zu reisen. Er bittet seinen Freund, den Kaufmann Antonio (Jeremy Irons) um Hilfe. Antonios Vermoegen ist in Schiffshandelsgeschaeften angelegt, daher bietet der Kaufmann an, das Geld von dem juedischen Geldverleiher Shylock (Al Pacino) zu besorgen. Aber Shylock ist ueber Antonio veraergert, da dieser den Juden fuer gewoehnlich voller Verachtung behandelt hatte, und daher fordert er, dass - sollte die Schuld nicht in drei Monaten beglichen sein - der Preis dafuer ein Pfund von Antonios Fleisch sein soll. Der Kaufmann von Venedig ist als "problematisches" Stueck bekannt - die Thematik um Geldverleiher und Antisemitismus vertraegt sich nur schwer mit den maerchenhaften Elementen der Romanze zwischen Portia und Bassanio, und einige Wendungen der Handlung wirken ein wenig willkuerlich oder sogar grausam. Die Staerke von Radfords intelligenter und leidenschaftlicher Umsetzung liegt darin, dass er und die exzellente Besetzung die gegensaetzlichen Facetten des Theaterstuecks mit voller emotionaler Tiefe versehen, wodurch jede Frage, die das Stueck aufwirft, aktuell und unausweichlich wirkt. Irons spielt besonders ueberzeugend: in seiner Brust wohnen sowohl Freundlichkeit als auch blinde Vorurteile - dadurch erscheinen die Auseinandersetzungen seines Charakters ebenso lebendig wie jene innerhalb des gesamten Stuecks.