Capote

"Capote" hat eine definitiv gute und eine definitiv schlechte Seite: Die eine heisst Philip Seymour Hoffman und die andere heisst Philip Seymour Hoffman. Der Schauspieler liefert eine so dermassen ueberzeugende Meisterleistung ab, dass einem geradezu die Spucke wegbleibt. Auf der anderen Seite hingegen spielt er seine Schauspiel-Kollegen so ueber alle Massen in Grund und Boden, dass man sich nicht zwischen Uebelkeit und Mitleid entscheiden kann. Schoen ist, dass es sich bei Millers Kinodebut um ein nicht ganz konventionelles Biopic handelt, sondern dass nur eine - ueberaus interessante - Phase aus Capotes Leben herausgegriffen und diese mit enormer psychologischer wie emotionaler Tiefe bearbeitet wird. So umgeht man geschickt eine, im Genre oft kritisierte, fahrlaessige Oberflaechlichkeit. Die sich dem Zuschauer darbietende Charakterstudie ist nicht nur in ihrer Dramaturgie detailliert, sie wird schliesslich auch genauso intensiv gespielt und das ist unterm Strich das Umwerfende an der Produktion. Kaum hat man sich einer, in Fall Capotes, so unnahbaren historischen Persoenlichkeit dermassen nah gefuehlt. Stimmungs-, wuerde- und anspruchsvoll! Fazit: Aufwuehlend, nicht kaltbluetig und umwerfend dargestellt, nicht gespielt.