Desireless

Als Sproessling des grossen Jazz-Trompeters Don Cherry und Halbbruder von Neneh Cherry sowie der schwedischen Pop-Diva Titiyo (die mit ihrem Bruder das Duett "Worried Eyes" singt), beweist Eagle-Eye, dass wir nicht immer viel mit unseren Verwandten gemeinsam haben. Er wurde in Stockholm als Sohn von Cherry und der schwedischen Allround-Kuenstlerin Moki geboren, und man koennte meinen, als Mitglied dieses Clans muesse er ebenso innovativ wie der Rest der Sippe sein, vor allem mit einem solch eigenartigen Namen. Aber offensichtlich ist der das einzig exzentrische an diesem Kuenstler. Cherry bietet uns ein unaufdringliches, melodisches Tagebuch mit Geschichten seiner vergeudeten Jugend in New York. Trotz der weichgezeichneten Anleihen bei Cat Stevens und Ben Harper merkt man der Musik hin und wieder an, dass Eagle-Eyes Schlafzimmerwand sicherlich Poster von Ozzy Osbourne und Jimi Hendrix geziert haben. "Indecision" (angeblich eine Erwiderung auf Stockholmer Neonazi-"White Noise"-Bands wie Swastika), hat einen heissen Richi-Blackmore-Zahn drauf. "Save Tonight" ist eine bittersuesse Neufassung von Peter, Paul and Marys "Leaving on a Jet Plane"-Motivs. Der Titelsong, "Desireless", ist eine Wiederbelebung des gleichnamigen Songs von Cherrys verstorbenem Vater, der mit Hilfe eines duerftigen Pianos, einer eindringlichen Trompete und Cherry's hypnotischen, repetitiven Vocals bewerkstelligt wurde. Hier wird deutlich, dass Eagle-Eye, selbst wenn er im seichten Wasser von alternativem Folk-Rock planscht, jederzeit einen Ast im Stammbaum beanspruchen darf.