White Ladder

Wie David Gray "Please Forgive Me" leicht angekratzt vor sich hinnuschelt, sind nicht mal Parallelen zu Bob Dylan ganz abwegig... in dieser ausgepraegten Form eine Ausnahme. Was den Briten bei aller vokalen Nonchalance vor allem unterscheidet, ist seine Pop(ulaere)-Attitude: Die neun Eigen- und Co-Kompositionen des Gitarristen, Keyboarders und Saengers mit den Stationen Manchester (Geburtsort), Wales (Jugend), Liverpool (Studium) und London (Musikkarriere) sind gelungene Kreativbastarde aus folkloristischer Singer/Songwriter-Schlichtheit, gezielt verstreuten Rock-Prisen und nahtlos integrierten Sample-Sounds, bis hin zu der elegischen finalen Coverversion von "Say Hello, Wave Goodbye" (Soft Cell). Sein Album, sagt Gray, "verdankt dem Sampler genauso viel wie der akustischen Gitarre". Seine bitter-suessen Stuecke bringen emotionale Saiten zum Klingen und wirken zeitgemaess, ohne irgendwelchen Trends hinterherzuhecheln. Die Songs schleichen sich laessig ins Ohr, die getragenen Melodien laden zumindest zum Mitsummen ein. Ein Konzept, das nach drei Alben seit '93 erst mit diesem vierten aufging: "White Ladder" entstand bereits selbst finanziert und hausgemacht Ende 1998 in seiner Londoner Wohnung, fuers eigene Label IHT. Doch ein Abnehmer liess auf sich warten, bis - angefacht durch st'e4ndiges Touren - der Funke im Jahr 2000 uebersprang und "White Ladder" zunaechst in Irland, dann in Grossbritannien rasant die Chartleiter emporkletterte. Keine Frage, dass Gray auch bei uns in Baelde jede Menge offene Ohren finden wird.