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| Up |
Nachdem R.E.M. 1996 mit dem ziemlich ehrgeizigen Album "New Adventures in Hi-Fi" den Einzug in die Billboard Hot 100 nicht schafften, haette man angenommen, dass die Band zum geradlinigen Bombast-Rock im Stil von "Monster" oder zum gefaelligen Konsum-Pop von "Green" zurueckkehrt. Aber R.E.M. waren reich genug, um sich ueber kommerzielle Misserfolge keine Gedanken mehr machen zu muessen, und nachdem sie den Gipfel des Berges bereits erklommen hatten, erforschten sie nun seine gruenen Taeler und versteckten H'f6hlen. "Up" ist eine Reise voller Atmosphaere, so impressionistisch wie Enya und so beschwoerend wie John Barry. Manche Kritiker vergleichen das Album mit dem empfindsamen und gefuehlvoll-aufschlussreichen Meisterwerk "Automatic for the People", aber "Up" ist ehrgeiziger und kreativer. Sicher, die meisten Songs klingen etwas pastoral, aber dahinter verbergen sich Dramatik und klangliche Experimentierfreude. Ueberwiegend sparsam sind Melodie und Rhythmus. Ab und zu greifen die Gitarren ein, sorgen fuer Spannung und Dynamik, waehrend zitterndes Saitenspiel, wogende Keyboards und gelegentliche Rueckkopplungen die Songs aehnlich den Farbschichten in einem Oelgemaelde mit Strukturen ueberziehen. Der einzige "richtige" Popsong ist die Single "Daysleeper". Der Rest des Albums ebbt auf und ab, jedes Stueck ein Teil eines kuenstlerischen Gesamtausdrucks. Die klanglichen Urspruenge moegen in Peter Bucks Cinematic-Jazz-Projekt "Tuatara" oder in Michael Stipes Ausfluegen in die Welt des Films liegen, aber was zaehlt das schon. Was dagegen zaehlt, ist die Tatsache, dass R.E.M. ueber ein Jahrzehnt nach Ablauf ihres Verfallsdatums immer noch herausfordernd und anregend wirken. "Up", eben ganz oben.