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| Swing When You're Winning |
Robbie Williams koennte man als ersten Boygroup-Saenger bezeichnen, der den Sprung ins Erwachsenenlager geschafft hat - und als den letzten. Er erreichte inzwischen Superstarstatus, entwickelte sich zum liebsten Titelbild der linientreuen Musikpostillen und blieb zeitgleich angehimmelter Posterboy fuer Millionen von Frauenzeitschriften. Ein fast unmoeglicher Spagat, der Robbie scheinbar selbst ein wenig zu Schaffen macht. Robbie Williams scheint der derzeit einzige junge Paraderockstar, den jeder mag. Ein Entertainer der Superklasse, dem man auch Ausrutscher ins Alkoholikerlager nicht uebel nimmt. Nach dem epochalen Werk "Sing When You're Winning" hat Robbie nun komplett das Genre gewechselt, sich einen alten Traum erfuellt und bringt eine Hommage an Frank Sinatra heraus, "Swing When You're Winning". Entstanden ist die Idee waehrend der Aufnahmen zum Soundtrack fuer "Bridget Jones", zu dem Robbie den Klassiker "Have You Met Miss Jones" beisteuerte. Tatsaechlich aber verehrt Robbie das so genannte Ratpack schon von jeher, das Trio Dean Martin, Sammy Davis junior und vor allem Frank Sinatra, und ihnen widmete er auch dieses Album. Wie wir bereits seit dem Queen-meets-Robbie-Song "We Are The Champions" wissen, kniet sich Robbie in seine Projekte in fast ungesunder Weise hinein. Robbie "war" damals Freddie Mercury. Und nun ist er mit einer unglaublichen Perfektion zu Frank Sinatra mutiert. Jedes Fitzelchen seiner Erscheinung, die Kleidung, die Fotosession, die Bewegungen und vor allem die aufwaendige Instrumentierung mit dem kompletten London Session Orchestra und einigen Dutzend zusaetzlichen Blaesern lassen Frankies Person und seinen Crooner-Sound der 50er und 60er wieder auferstehen. Wir hoffen nur, dass Robbie sich nicht an die Liter von Whiskey gewoehnt, die Frankieboy waehrend seiner Konzerte in sich hineinschuettete. Mit herrlichen Neuversionen im alten Stil wie dem Mackie-Messer-Song, "One For My Baby" (mit Sinatras 84-jaehrigem Pianisten Bill Miller) oder "Mr. Bojangles" (waehrend dessen Aufnahme das gesamte Orchester in Szenenapplaus ausbrach) wird Robbie ein voellig neues, junges Publikum fuer Frank Sinatra und seine Crooner-Kumpels begeistern. Am grossartigsten aber klingen die Duette: Das wundervolle "Somethin' Stupid", in dem Nicole Kidman ueberraschend perfekt die Stimme von Nancy Sinatra uebernimmt. Dass "It Was A Very Good Year", das dank moderner Studiotechnik den originalen Frank Sinatra wieder auferstehen laesst, eine Idee der frueheren Musiker von Frank Sinatra selbst war, ruehrte nicht nur Robbie, sondern nun auch uns zu Traenen. Weiterhin grandios: "Well Did You Evah", jener witzige Partydialog aus dem Film "High Society", in dem "Saturday Night Lives" Jon Lovitz unserem Robbie fast die Show stiehlt, "Me And My Shadow" mit Robbies bestem Freund Jonathan Wilkes, von dem wir nun dringend mehr hoeren wollen, "They Can't Take That Away From Me" mit Rupert Everett und das lustige "Things" mit der Schauspielerin Jane Harrocks. Aber auch die Solointerpretationen sind fantastisch, man hat das Gefuehl, Robbie waechst mit seiner Aufgabe, wird mit jedem Song sicherer und staerker im schwierigen Crooner-Genre. Natuerlich koennte man auch zu den Originalen greifen. Aber Robbies Album macht einfach Spass. Unverstaendlich jedoch scheint der Opener, das orchestrale und extrem kitschige "I Will Talk And Hollywood Will Listen", eine Schmalzorgie von Robbies kompositorischem Alter Ego Guy Chambers, die hier wirklich nichts zu suchen hat. Aber die 14 anderen Swingperlen entschuldigen diesen Ausrutscher. "Swing When You're Winning" sollte jeder besitzen, Rock-, Robbie- oder auch Frankie-Fan.