Senza Ali

"Senza Ali" lautet der Titel der neuen CD der italienischen Popsaengerin Giorgia, der ins Deutsche uebertragen soviel heisst wie "ohne Fluegel". Eine lustige und zugleich nachdenklich stimmende Zweideutigkeit, wenn man das Cover betrachtet, auf dem Giorgia in luftiger Hoehe von mindestens zehn Stockwerken mit der Sonne im Ruecken die Pose eines Ikarus imitiert. Was ihr als Vogelwesen versagt geblieben sein duerfte, ist ihr in musikalischer Hinsicht jedoch fabelhaft gelungen: Auf ihrer neuen CD erklimmt sie bislang ungeahnte Hoehen und bewaeltigt muehelos die weiten Strecken zwischen US-Mainstream und klassischem Italo-Pop. Kein Wunder, denn fuer diese Produktion zeichnet eine hochkaraetige Besetzung verantwortlich, darunter illustre Persoenlichkeiten, wie Herbie Hancock, Sonny T., Ricky Peterson und Tommy Barbarella, letztere vor allem bekannt durch ihre Zusammenarbeit mit Prince. Mit leichter aber sicherer Hand hat Michael Baker die 13 Titel arrangiert. Vielfaeltigte Klangfarben, teilweise durchsetzt von luftig-dezenten Streicherklaengen verschmelzen harmonisch zu einem bunten Hoerbild und verleihen bei aller Homogenitaet jedem einzelnen Track eine charakteristische Note. Akustikgitarren, solo mit Gesang, finden sich in dem Stueck "Girasole Acoustica" ebenso wie opulent-duestere Schwelgereien mit Elementen des TripHop in "Il Mare Sconosciuto", einem der Hoehepunkte der CD, der unverkennbar die Handschrift von Herbie Hancocks melancholischem Klavierspiel traegt. "Save The World" ist mit seiner knochentrockenen Rhythm-Box, dem knurrenden Bass und der ansonsten eher sparsamen Instrumentierung - unter anderem mit einem Spinett - eines D'Angelo durchaus ebenbuertig. Ob Soul-Nummern voller Power oder sensible Balladen fuer die eher romantischen Augenblicke des Lebens, stets ist es dem eindrucksvollen Stimmvolumen der Roemerin zu verdanken, dass in ihrer Musik jede Nuance der gesamten emotionalen Bandbreite transportiert wird. Bereits mit 16 Jahren studierte sie Gesang, spaeter holte sie kein Geringerer als der Star-Tenor Luciano Pavarotti auf die Tourneebuehne. Auch mit Andrea Bocelli sang sie im Duett, unter anderem im Vatikan vor dem Papst. Mit "Senza Ali", ihrem sechsten Album, will Giorgia nun weltweiten Ruhm erlangen. Die Aufnahmen selbst fanden in verschiedenen Studios zwischen Minneapolis und Los Angeles statt, um den internationalen Charakter zu betonen. Eine Rechnung, die aufgegangen ist, denn hier ist Musik zu hoeren, die in ihrer weltlaeufigen Offenheit auch Fans jenseits der typischen Schiene des Italo-Pop ansprechen wird.