Männersache

Rainhard Fendrich hat sich, in seiner unnachahmlichen Art, auf seinem aktuellen Album einem entscheidenden Thema der Moderne angenommen: der Beziehungskrise zwischen Mann und Frau. Da der oesterreichische Chansonnier mit dem unwiderstehlichen Wiener Schmaeh ersterem der beiden genannten Geschlechter angehoert, duerfte der Titel klar sein: "Maennersache". Fendrich kam dabei nat'fcrlich nicht umhin, sich seiner Geschlechtsgenossen mitunter recht bissig anzunehmen. Und da der einfuehlsame Liederschreiber in seinem langjaehrigen kuenstlerischen Schaffen noch nie Grenzen gezogen hat zwischen Mitleid und Haeme, Einf'fchlungsvermoegen und derbem Spass, Romantik und boeser Ironie, ist "Maennersache" kein fades Wehklagen ueber die Ungerechtigkeit geworden, die dem Mann des neuen Jahrtausends widerfaehrt. Das beweist schon die erste Singleauskoppelung, das so beschwingt im Rhythmus der 30er-Jahre daherkommende, inhaltlich aber bitterboese "Entsetzlich hetero". Auch in den restlichen Songs geht es um Maenner (klar) und um ihre meist schwierigen (auch klar) Beziehungen zu Frauen. Dann etwa, wenn einer glaubt, Weinen und mit dem anderen zu reden sei weibisch, Ehrenwort und sich hart geben sei maennlich ("Maennersache"). Dann etwa, wenn sich ein Kaffeehaus-Besucher in eine rothaarige Frau verschaut, die sich spaeter als die eigene mit neuer Frisur herausstellt ("Feuerrote Haar'"). Dann etwa, wenn sich einer an die grosse Jugendliebe erinnert, die ihn nur ausgenutzt hat, um ihren wahren Liebhaber eifersuechtig zu machen ("Frieda"). Was das neue Werk bei aller Sensibilitaet und inhaltlichen Geschlossenheit noch auszeichnet: Zum ersten Mal hat Rainhard Fendrich Wert darauf gelegt, dass ein Album durchgehend in Oesterreichisch gesungen wurde. Trotz aller Konzentration auf ein und dasselbe Thema ist Fendrich dank seinem unerschoepflichem Wortwitz dennoch wieder eine ziemlich abwechslungsreiche Platte gelungen - und ein eingaengiges Popalbum sowieso.