X & Y

Es heisst das dritte Album ist die Feuertaufe fuer eine Band. Das britische Quartett Coldplay hat sich fuer diesen kritischen Karriereschritt lange Zeit gelassen. Ist "X & Y" mit 12 neuen Songs (und einem Hidden Track) der gewollte, grosse Wurf? Beim ersten Hoeren nicht unbedingt, aber Vorsicht! Das galt auch fuer die ersten beiden Alben der Briten, sie sind keine ad-hoc-Ohrwurm-Band. Ihre Songs sind wie Nervengas, das langsam, aber dafuer umso nachhaltiger wirkt. Demnach hat sich auch fuer mich noch nicht das optimale Lieblingsstueck herauskristallsiert, was nichts zur Sache tut. Coldplay besitzen drei Truempfe, die wenige Bands dieser Tage vereinen koennen: mit Saenger Chris Martin eine melancholische Stimme, der man sich nicht entziehen kann, unwiderstehliche Melodien, sowie eine Gefuehlsstaerke, die niemals in Kitsch ausartet. Was auch an den bisweilen nachdenklichen, sehr reflektierten Texten liegt. Ausserdem leugnet die Band ihre Vorbilder von Beatles ("What If") bis Depeche Mode ("White Shadows") nicht, ohne sie zu kopieren, der Gitarrenrocker "Square One" als Auftakt trifft zB. den Nerv von U2 in ihren besten Zeiten. Doch die grosse Staerke der Band zeigt sich wieder in sanften Liebesballaden, etwa "Fix You" - einer Feuerzeug-Stadion-Hymne - "A Message" und dem elegischen "Swallowed In The Sea". Beispiel fuer die Tatsache, dass auch die Elektronik ein bisschen Einzug gehalten hat, ist "Talk", mit heftigen Gitarren und einem irrlichternen Sample von Kraftwerks "Computerliebe". Warm, herzlich, infektioes - spaetestens nach dem dritten Anh'f6ren.